November 16, 2021

Der Hortobagy-Nationalpark ist Ungarns erster und größter zusammenhängender Nationalpark. Er wurde im Jahr 1973 gegründet, wenn das mal kein Zusammenhang zum Tourenmotto ist, denn mein Geburtsjahr ist auch 1973. Was wir hier erlebt haben und ob wir Zackelschafe, Graurinder und Wollschweine gefunden haben, erfährst du im Beitrag.

Dieser Beitrag ist Teil meines Reisetagebuchs, das ich im Verlauf meiner Camper Tour durch den Balkan erstellt habe.

Eine Übersicht aller meiner Stationen findest Du hier: https://mentalio.de/uebersicht-meiner-reise/

Grassteppe und Wasservögel

Du hast schon mitbekommen, wir sind Traditionalisten, also der morgendliche Ablauf ist immer ähnlich. Start gegen 8:30 Uhr mit Kaffee Nr. 1. Langsam und genüsslich an der frischen Luft bei milden 20 Grad genießen, herrlich.

Dann folgt der zweite Kaffee. Gegen 9:30 Uhr zu den Waschräumen und danach alles zusammenpacken. Wir sind ein eingespieltes Team. 

Sven macht draußen alles klar, wie z.B. Tisch und Stühle wegräumen, Strom einrollen und später Grauwasser ablassen, Chemiklo säubern, Frischwasser auffüllen.

Ich räume drinnen alles Zeugs in die Schränke und sichere diese, Fenster zu und Reisegetränke vorbereiten. Wir hatten einige Liter Kombucha dabei, da er nun schon sehr säuerlich war, musste ich immer mit Wasser oder Fruchtsaft mixen.

Der Platz in Eger musste bis spätestens 12:00 Uhr verlassen sein, die Fahrt nach Hortobagy dauerte nur 1,5h also heute alles noch langsamer und entspannter als sonst.

11:00 Uhr sind wir startklar und fahren nach dem Bezahlen ab. In der Nähe des Campingplatzes ist ein Supermarkt mit großem Parkplatz also noch mal kurz stopp, um die Versorgungskisten aufzufüllen inkl. einer kleinen gelben Rose im Töpfchen für den Tisch, ab jetzt reisen wir stilvoll.

So, jetzt aber direkt auf in die Puszta; oder doch noch nicht? Kurz nachdem wir die Stadt verlassen haben, mussten wir schon wieder anhalten. 

Die Weinberge waren so schön, als dass man nur vorbeifährt. Kurzer Foto- und Genießer-Stopp incl. kleinem Mundraub. Weiter geht's vorbei an vielen Mais- und Sonnenblumenfeldern. Leider waren diese schon abgeblüht.

Wir fahren vorbei an Seen, Flüssen und der Puszta-Steppe. Die Puszta ist nicht nur trocken, sondern hat auch erstaunlich viele moorige Bereiche mit viel Schilf.

Eine wunderschöne Überland-Tour.

Ein Stellplatz geschlossen, der andere menschenleer

Wir kamen dann in Hortobagy 13:50 Uhr an. Der einzige Campingplatz ist Ökotura. Im Internet gibt es zwar noch zentraler am Ort Puszta Kemping, der ist allerdings geschlossen, wird wohl umgebaut.

Wir standen nun bei Ökotura und der Platz ist leer, hätte das Schild „geöffnet“ nicht am Eingang gestanden, hätten wir gedacht, hier ist auch zu. Die Rezeption ist ab 14:00 Uhr geöffnet, also erstmal ein kühles Bier auf und warten. 

14:10 Uhr war noch keine Bewegung beim Empfang, also kurz die dort ausgewiesene Telefonnummer gewählt und ein sehr freundlicher Mann teilte uns auf Deutsch mit, er sei gleich da.

Einige Sekunden später setzte sich auch ein Auto auf dem Hof in Bewegung. Wir dachten noch, nein; das ist nicht der Mensch vom Empfang und kommt jetzt mit dem großen PickUp extra rüber, die Entfernung waren geschätzt 100m. 

Das Auto kam aber zu uns gefahren und er war es tatsächlich. Greta hätte sicher verständnislos mit dem Kopf geschüttelt, aber sie war ja nicht da. Ein super netter älterer Herr stieg aus. 

Einchecken war sehr freundlich und informativ und für uns sehr schön, auch wieder auf deutsch.

Da alles leer war, außer einem kleinen Zelt mit italienischen Gästen, konnten wir uns wieder den Stellplatz aussuchen. 

Der Platz ist sehr schön, hat 12 Stellplätze. Alles ist grün und es gibt Schatten- wie auch Sonnen-Plätze. Das Sanitärhaus ist mittig auf dem Hof, 50m entfernt und sehr sauber.

Toiletten, Duschen und ein großer Esstisch sowie Küchenbereich mit Mikrowelle und Kühlschrank. Auf dem Platz sind überall Sitzgruppen. Das Restaurant hat leider wegen fehlender Gäste geschlossen.

Oh, was sehen meine Augen. Vor dem Restaurant steht ein kleiner Holzgrill und Feuerschalen und viel Holz an der Hausmauer. Wir fragen den Besitzer, ob wir es nutzen dürfen. 

Er freut sich und erlaubte es uns, der Essensplan für den morgigen Abend steht also.

Jetzt endlich, Auto parken, Tisch und Stühle raus und angekommen mit dem bekannten Ritual Bierchen und Zigärrchen.

Fußpils, Zikaden zirpen und Regen in der Puszta

Ca. 15:30 Uhr machten wir uns bei sonnigen 26 Grad auf, die 2km bis zum Stadtzentrum zu laufen. Wir wollten zur Tourist-Info und mal schauen, was es so für Aktivitäten gibt.

Im Internet hatte ich zwar schon einiges gefunden aber nicht, wo genau alles zu finden ist. Eine Kutschfahrt durch die Puszta ist ein Muss, aber was gibt's sonst noch.

Hortobagy ist die größte, zusammenhängende, natürliche Grassteppe Europas und eigentlich eine Touristenhochburg, aber jetzt wie ausgestorben. Die Tourist-Info schon zu. 

Sie macht morgen 9:00 Uhr wieder auf. Also noch ein wenig im Ort rumgelaufen, dann zur Neunbogenbrücke und zurück. Auf dem Weg lag ein kleiner Coop Supermarkt.

Das lieben wir ja, die kleinen Supermärkte am liebsten im Tante Emma Styl. Eier und Grillwürstchen gekauft und noch für den sehr sonnigen Rückweg je ein Alster als „Fußpils“.

Am Stellplatz angekommen erstmal kurz verschnaufen, 2km in praller Sonne ist trotz Fußpils in unserer aktuellen Form etwas schlauchend.

18:00 Uhr dann Gemüse schnippeln, Sven kocht heute Würstchengulasch mit Spagetti. Den Knauss-Boxstar findet er zum Kochen richtig gut. Er hat mehr Staufläche und kann auf dem Beifahrersitz sitzen und in den Töpfen rühren. 

Ein herrliches Bild.

19:30 Uhr kam dann das sehr leckere Essen auf den Tisch. Du wirst es nicht glauben, während des Essens fing es an, leicht zu regnen. 

Wir konnten noch fertig essen und sind dann zum abwaschen. Als wir zurückkamen, tröpfelte es etwas stärker, also den Tisch unter den Baum geschoben und gut war es.

Wie auch schon das Morgenritual ist bei uns das Abendritual immer gleich, bis ca. 22 Uhr draußen sitzen, dann rein, noch bissel quatschen und gegen 23 Uhr Nachtruhe.

Schon beim draußen sitzen hörten wir es; laut und durchdringend: Es erinnerte uns an die Urlaube in Vietnam und Laos.

Zirpende Zikaden, wunderbar; das ist Natur. Wir schlafen bei geöffnetem Fenster bei unserer kleinen Nachtmusik.

Kutschfahrt, Bootsfahrt oder Zoo

Heute soll es also losgehen, mit und so was von Puszta.

Ich konnte irgendwie nicht gut schlafen (das lag aber nicht an den Zikaden) und habe bis 3:00 Uhr im Internet rum recherchiert. Neben ein paar interessanten Themen zu Aktivitäten (
hier mein Fund) hier in der Region, habe ich auch dummerweise in die Wettervorhersage für Kroatien geschaut. 

Eigentlich um mich vor zu freuen aber die Wetter-APP sagt Wind voraus, für die Zeit, in der wir dort sind.

Ich habe also ein Teil der schlaflosen Zeit damit verbracht, schöne Campingplätze auf dem Festland Kroatiens zu finden. Eigentlich hatten wir vor, die Inseln Brac und Pag anzufahren. 

Starker Wind kann jedoch dazu führen, dass du mit größeren Fahrzeugen nicht rauf oder nicht runter von der Insel kommst. War es vertane Zeit? Das Wetter ändert sich sicher noch ab und an in den nächsten Tagen.

Also Zielsetzung: handyfrei Zone einführen in der Nacht.

Aber erstmal der Morgen-Kaffee bei milden Temperaturen von 18 Grad in schöner Umgebung. Heute ging sogar mal der Wecker.

Wir hatten gehört, dass die Kutschfahrt immer 11 Uhr startet und die Tourist-Info um 9 Uhr öffnet. Daher wollten wir zeitig los oder siegt doch der innere Schweinehund.

Im Urlaub Hektik, geht gar nicht. Deswegen haben wir kurzfristig beim ersten Kaffee entschieden, wir machen heute auf entspannt. Die Kutschfahrt gibt es auch an den anderen Tagen und zu mehren Uhrzeiten. 

Gegen 10:00 Uhr sind wir mit den Rädern los zur Tourist- Info ins 2km entfernte Hortobagy.

Kennst du Menschen die „auf den Kopf“ schreiben können. Ich jetzt ja. 

Der Mitarbeiter erklärte uns auf der Gebietskarte wo alles ist. Und da die Karte in unserer Richtung lag und er uns gegenüber hinter dem Tresen stand, musste er auf dem Kopf und seitenverkehrt schreiben.

Probiere es mal aus, sehr witzig.

So nun stand folgendes Programm für heute, 12:00 Uhr geht die Kutschfahrt los, bis zum Reiterhof sind es 4km und 20 min vorher sollen wir da sein, ok. Wir hatten also noch fast eine Stunde Zeit, deshalb kurz das Zentrum von Hortobagy abgelaufen und auf zum Reiterhof.

Dort angekommen, Tickets gekauft und sogar noch Zeit für ein spätes Frühstück. Ungarische Wurst und Brötchen hatten wir dabei.

Dann ging es schon los.

3 Pärchen, der Kutscher und der Guide waren auf der Kutsche. Ca. 1 Stunde dauert die ca. 7 km lange Fahrt und ist sehr beeindruckend. 

Die Landschaft, die Bewohner, die Tiere (Graurinder, Zackelschafe und eigentlich auch die Wollschweine, es waren aber keine da), aber auch viele anderen wilde Tiere der Puszta; einfach nur herrlich und sehr kurzweilig.

13:45 Uhr waren wir wieder in Hortobagy und schauten zum Bootsanleger bei der Neunbogenbrücke. Das Boot geht angeblich stündlich und nur noch bis nächsten Tag, dann ist Saisonende. 

Da vor uns schon eine Schulklasse angemeldet ist, verabreden wir uns mit dem Kapitän für den nächsten Tag 11 Uhr.

Tja, was nun? 

Da wir bei der Kutschfahrt die berühmten Wollschweine nicht gesehen haben, entschieden wir uns, noch zum kleinen Haustierzoo zu radeln, ca. 2km entfernt.

Ein tolles weitläufiges Gelände mit allem, was es in der Umgebung an typischen Haustieren so gibt und natürlich auch die Wollscheine.

Heute ist es sehr warm, die Sonne brennt und wir waren heute aktiv genug, darum auf zum Stellplatz. Ankunft Stellplatz 15:00 Uhr und jetzt sitzen, genießen und am Abend grillen.

Wir haben original ungarische Grillwurst gegrillt, so wie wir es lieben; die Wurst grob und frisch.

Es war ein Gedicht und es kam bei jedem von uns beide sofort eine positive Kindheitserinnerung hoch. 

Bei mir das erste Frühstück am Schlachttag und bei Sven die Steinacher Bratwurst aus seiner Kinderzeit.

Heute Bootsfahrt und eine Grenzerfahrung

Bevor es in die heutigen Tagesaktivitäten geht, erstmal der Aufwach-Kaffee. 11 Uhr startet die erste Aktivität, also haben wir Zeit.

Die Bootstour auf dem gleichnamigen Fluss Hortobagy startet an der Neunbogenbrücke, alles klappt reibungslos und ist auch sehr schön und total entspannend.

Das Boot ist klein, wir sind mit dem Kapitän alleine und eine Stunde schippern wir entlang am zugewucherten Ufer. 

Da der Kapitän kein Englisch oder Deutsch spricht, können wir einfach nur genießen und die Schönheit der Natur in uns aufsaugen.

Zurück nach ca. 1 h haben wir im angrenzenden Park erstmal eine Picknick-Pause eingelegt und überlegt, was heute noch so in den Tag passt. 

Gestern und heute war es sehr heiß; heute sind wir auf dem Wasser gestartet, also radeln wir weiter zum nächsten Gewässer. Auf zu den Fischteichen. Laut Info soll es wunderschön da sein; viele Tiere, viel Natur.

Die Fischteiche sind natürlich angelegt und umgeben von wilder Natur. Das Gebiet ist relativ groß und mit Fahrrad am besten zu bewältigen, da es auch sehr langezogen ist.

In der Hauptsaison fährt auch eine kleine Eisenbahn 5 km rein und zurück.

Unsere Rundfahrt ging gute 15 km. Das hört sich jetzt erstmal nicht schlimm an, aber es war wie gesagt sehr heiß und wir fuhren zumeist über unbefestigte Feldwege und hatten die Zeit für die Tour deutlich unterschätzt und daher viel zu wenig Wasser eingepackt.

Das führte bei sengender Hitze dazu, dass der letzte Tropfen irgendwann und viel zu früh weg war. Sicher verdurstet man nicht so schnell, aber das interessiert dein Gehirn erstmal nicht, wenn es weiß, du hast nichts mehr und die Länge des holprigen Weges ist unbekannt.

Es war eine Qual und das letzte Stück Weg bei den Teichen war auch nochmal besonders schlecht zu fahren. Wir mussten sehr dolle aufpassen, um nicht zu stürzen.

Dann endlich eine ordentliche Straße und in der Nähe vom Reiter-Hof, von dem wir tags zuvor zur Kutschfahrt durch die Puszta gestartet sind - lebensrettend. 

Nur 2km bis endlich der unbändige Durst gelöscht werden konnte.

Es war einfach nur herrlich; 1 Liter Alster gluckerten ins uns rein. Die Lebensgeister kamen wieder.

Wir sind nach einer kurzen Pause bis nach Hortobagy gefahren und in der berühmten Kadarsci Csarda haben wir uns ein frühes Abendbrot gegönnt.

Sven hatte fermentierte Krautwickel mit Zackelschafgehacktes und ich Kuttelgulasch mit Stücken von der Graurind-Haxe.

1Liter Alster, noch ein kleines Bier, Gulaschsuppe, Hauptspeise und das alles in der letzten Stunde, wir waren sowas von vollgefressen. 

Es war schon schmerzhaft, also folgerichtig ein Palinka bestellt.

Nein Palinka ist kein Pallatschicken, Palinka ist ein einheimischer Schnaps und soll aufräumen helfen im Magen.

Nach einer kurzen Jammerzeit "nie wieder essen" zurück zum Stellplatz und einfach nur sitzen und aufs Lagerfeuer schauen (und leise weiter jammern).

Natur oder Stadt

Heute müssen wir eine Entscheidung fällen oder besser gestern Abend ging das überlegen schon los. Zu entscheiden ist, hierbleiben oder weiter.

Hier auf dem Stellplatz ist es wunderschön und sicher findet sich noch eine Aktivität in der Umgebung, z.B. das Vogelkrankenhaus oder Wildlife-Tour. 

Weiterfahren bedeutet, was Neues erleben. Vielleicht kein besserer Stellplatz aber eine neue Herausforderung.

Du hast nun schon einiges von uns erfahren und kannst dir sicher denken, wie die Entscheidung ausgefallen ist. 

Natürlich fürs weiterfahren. Aber erstmal Kaffee und genießen, der Natur zuhören und nichts tun.

Bevor wir Hortobagy verlassen, ein Muss nochmal beim kleinen Supermarkt anhalten und die leckeren Grillwürstchen kaufen und einfrosten.

Gegen 11:00 Uhr waren wir startklar und so geht's auf nach Budapest, die schönste Stadt Osteuropas (laut Internet)

Ob das so ist erfährst du in der nächsten Etappe https://mentalio.de/schoenste-stadt-osteuropas-budapest/

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Die Etappen: 

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