Du erlebst in deinem Leben immer wieder Dinge, bei denen du irgendwann denkst: Das kann doch kein Zufall sein. Habe ich in einem früheren Leben etwas getan, das ich heute ausgleichen muss?
Oder du spürst eine Schuld, obwohl du keinen konkreten Fehler benennen kannst. Da ist dieses Gefühl, etwas wiedergutmachen zu müssen, etwas nicht verdient zu haben oder für etwas bezahlen zu müssen, an das du dich überhaupt nicht erinnerst.
Genau dafür wird häufig der Begriff karmische Schuld verwendet: für die Vorstellung, dass eine frühere Handlung noch nachwirkt und im heutigen Leben ausgeglichen werden muss.
Ich halte es für möglich, dass Erfahrungen oder Themen über mehr als ein Leben hinweg zusammenhängen. Ob das tatsächlich so ist, weiß ich nicht.
Ich kann dir deshalb nur erzählen, was ich in meiner früheren Arbeit mit Menschen erlebt habe, welche Geschichten sich bei Akasha-Abfragen gezeigt haben und wie wir anschließend mit dem weitergearbeitet haben, was sich im heutigen Leben tatsächlich erkennen ließ.
In diesem Artikel geht es deshalb um drei Fragen: Was meinen Menschen eigentlich, wenn sie von karmischer Schuld sprechen? Woran machen sie diese Schuld fest? Und musst du wirklich etwas abtragen oder gibt es einen anderen Umgang damit?
Was mit karmischer Schuld gemeint ist
Mit karmischer Schuld ist die Vorstellung verbunden, dass eine Handlung aus diesem oder einem früheren Leben Folgen hinterlassen hat, die noch nicht ausgeglichen sind.
„Schuld“ meint dabei also nicht nur das Schuldgefühl, das wir aus dem Alltag kennen. Dahinter steht die Idee einer offenen Rechnung: Etwas ist geschehen, und dieses Etwas wirkt weiter.
Das kann sehr unterschiedlich erlebt werden.
Manche Menschen denken an eine konkrete Handlung aus ihrem heutigen Leben. Sie haben jemanden verletzt, eine Entscheidung getroffen, die sie später bereut haben, oder etwas getan, das sie selbst als falsch empfinden. Wenn ihnen danach immer wieder Schweres begegnet, entsteht der Gedanke: Vielleicht bekomme ich jetzt zurück, was ich damals verursacht habe.
Bei anderen gibt es keine solche Erinnerung. Menschen beschreiben dann zum Beispiel: Ich habe das Gefühl, etwas Schlimmes getan zu haben, aber ich weiß nicht, was. Oder: Ich spüre, dass ich etwas abtragen muss, obwohl ich nicht erklären kann, warum. Solche Sätze kenne ich auch aus Gesprächen mit Klienten. In diesem Fall wird die fehlende Erklärung manchmal in einem früheren Leben gesucht.
Und dann gibt es noch eine dritte Erfahrung: Ein Mensch fühlt sich gar nicht ständig schuldig, erlebt aber über längere Zeit ungewöhnlich viele Schwierigkeiten oder bestimmte Situationen wiederholen sich immer wieder. Irgendwann entsteht die Frage: Habe ich in einem früheren Leben etwas getan, dessen Folgen ich heute erlebe?
In spirituellen Vorstellungen kann eine solche Schuld deshalb bedeuten, dass etwas noch ausgeglichen, verstanden oder weiterentwickelt werden möchte. Manche verstehen das als eine Art Rückzahlung, andere eher als ein Thema, das erneut auftaucht, bis ein anderer Umgang damit möglich wird.
Ob hinter einem heutigen Erlebnis tatsächlich eine Handlung aus einem früheren Leben steht, lässt sich nicht sicher feststellen. Der Begriff beschreibt zunächst die Deutung eines Zusammenhangs. Die Vorstellung dahinter lautet: Etwas aus der Vergangenheit wirkt in mein heutiges Leben hinein.
Welche wiederkehrenden Themen Menschen als karmisch verstehen, beschreibe ich im Artikel Karmische Muster erkennen.
Wie sich karmische Schuld für Menschen anfühlen kann
Karmische Schuld zeigt sich nicht immer als klarer Gedanke wie: „Ich habe in einem früheren Leben etwas falsch gemacht.“
Oft beginnt es viel diffuser. Ein Mensch erlebt bestimmte Dinge immer wieder, trägt ein schwer erklärbares Schuldgefühl in sich oder hat den Eindruck, dass mit seinem Leben grundsätzlich etwas nicht stimmt.
Eine Frau, mit der ich gearbeitet habe, war als Baby weggegeben worden. Auch später erlebte sie immer wieder Situationen, in denen vieles schwer war oder nicht so funktionierte, wie sie es sich gewünscht hatte.
Gleichzeitig trug sie ein starkes Schuldgefühl in sich, ohne genau sagen zu können, wofür.
In einer damaligen Abfrage in der Akasha-Chronik zeigte sich eine Geschichte aus einer früheren Inkarnation, in der sie selbst ein Kind zurücklassen musste. Für sie entstand dadurch ein Zusammenhang zwischen dem, was sie heute erlebt hatte, und dieser alten Geschichte.
Ob diese Verbindung tatsächlich über verschiedene Leben hinweg bestand, kann ich nicht sagen.
Interessant war für mich eher, was dadurch sichtbar wurde: Das Verlassenwerden, selbst jemanden verlassen zu müssen und die damit verbundene Schuld zogen sich wie ein Faden durch ihr Erleben.
Damit konnten wir weiterarbeiten, ohne beweisen zu müssen, wo dieser Faden ursprünglich begonnen hatte.
Eine andere Frau hatte lange das Gefühl, eigentlich gar nicht auf diese Welt zu gehören.
Wenn in ihrem Umfeld etwas Schlimmes geschah, bezog sie es schnell auf sich. Sie hatte zeitweise in einer WG auf einem Bauernhof gelebt, der später abbrannte, und auch andere schwierige Ereignisse verstärkten bei ihr den Gedanken:
Wo ich bin, passiert Unglück. Vielleicht bin ich schuld daran.
Im Gespräch zeigte sich dann etwas sehr Irdisches. In ihrer Familie war ihre eigene Herkunft mit großer Unsicherheit verbunden. Sie war ein sogenanntes Kuckuckskind, und es war lange unklar, welcher von zwei Männern ihr Vater war. Dazu kamen die Belastungen ihrer Mutter rund um diese Zeit.
Bei ihr wurde dadurch etwas anderes wichtig: Ein Gefühl, das sich sehr alt und fast karmisch angefühlt hatte, ließ sich zumindest teilweise mit ihrer eigenen Lebensgeschichte verbinden.
Das bedeutete für mich nicht, dass damit jede spirituelle Ebene ausgeschlossen war. Aber wir brauchten sie auch nicht als einzige Erklärung.
Was ich aus solchen Erfahrungen mitgenommen habe
In meiner früheren Arbeit habe ich immer wieder erlebt, dass Menschen sehr erleichtert waren, wenn sich bei einer Akasha-Abfrage eine Geschichte zeigte, die zu ihrem heutigen Erleben passte.
Plötzlich bekam etwas einen Zusammenhang, das vorher nur schwer, rätselhaft oder ungerecht gewirkt hatte.
Was dabei tatsächlich passiert ist, kann ich bis heute nicht sagen. Ob ich Informationen aus einer Akasha-Chronik wahrgenommen habe, ob meine Lebenserfahrung und mein Gespür für Menschen dabei eine Rolle gespielt haben oder ob sich verschiedene Ebenen miteinander verbunden haben, bleibt für mich offen.
Deshalb war eine solche Geschichte für mich auch nie das Ende der Suche. Wenn jemand sagte: „Das passt zu mir“, „Das kenne ich“ oder „Jetzt verstehe ich, warum mich dieses Thema so beschäftigt“, haben wir von dort aus weitergeschaut.
- Was zeigt sich davon heute?
- Welche Gefühle tauchen immer wieder auf?
- Welche Entscheidungen trifft der Mensch?
- Und gibt es in seiner heutigen Lebensgeschichte ebenfalls Erfahrungen, die mit diesem Thema zusammenhängen?
Bei der Frau, die als Baby weggegeben worden war, lagen zum Beispiel beide Ebenen nebeneinander: ihre ganz reale Erfahrung in diesem Leben und die Geschichte, die sich in der Akasha-Abfrage gezeigt hatte. Für mich musste ich nicht entscheiden, welche davon die „wahre Ursache“ war. Interessanter war, was sich daraus für ihr heutiges Leben erkennen ließ.
Genau das habe ich aus dieser Arbeit mitgenommen: Eine spirituelle Deutung kann helfen, einen Zusammenhang zu sehen. Für mich liegt die Grenze dort, wo aus einer spirituellen Deutung die Vorstellung wird, für heutiges Leid büßen zu müssen oder nichts verändern zu können.
Wenn Zahlen, Tiere, Lieder oder Symbole immer wieder auftauchen und du spürst, dass da etwas ist.
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Muss karmische Schuld ausgeglichen werden?
Wenn jemand überzeugt ist, eine karmische Schuld zu tragen, taucht schnell die nächste Frage auf: Muss ich dafür etwas aushalten, wiedergutmachen oder zurückzahlen?
Auch wenn ich karmische Zusammenhänge für möglich halte, bedeutet das für mich nicht, dass ein Mensch leiden muss, damit sich etwas „ausgleicht“.
Eine schwierige Beziehung, Krankheit, finanzielle Probleme oder andere belastende Erfahrungen sind für mich kein Beweis dafür, dass jemand bestraft wird oder dieses Leid verdient hat.
Wenn du weißt, dass du jemanden verletzt hast, kannst du genau dort ansetzen: Verantwortung übernehmen, etwas klären oder wiedergutmachen, soweit das heute noch möglich ist. Dass dir später Schweres passiert, wird dadurch für mich trotzdem nicht zur Strafe.
So habe ich karmische Themen immer eher verstanden: nicht als Rechnung, die durch Leid beglichen werden muss, sondern als möglichen Zusammenhang, an dem etwas erkannt und heute anders gelebt werden kann.
Wenn es überhaupt etwas auszugleichen gibt, finde ich deshalb die Frage wichtiger: Was zeigt sich durch dieses Thema heute in meinem Leben?
Wie ich mit Menschen gearbeitet habe, die sich verflucht fühlten oder eine alte Schuld vermuteten, und welche Fragen ihnen dabei weiterhalfen, erzähle ich im Artikel Schlechtes Karma auflösen.
Was du heute tatsächlich anschauen kannst
Wenn dich der Gedanke an karmische Schuld beschäftigt, kannst du bei dem beginnen, was sich heute in deinem Leben zeigt.
Gerade wenn du erschöpft bist oder das Gefühl hast, dass gerade alles schiefläuft, hilft zuerst ein ruhiger Moment.
Setz dich hin, leg eine Hand auf die Brust und die andere auf den Bauch. Atme ein paarmal langsam durch die Nase ein und etwas länger wieder aus.
Dann kannst du dir Fragen stellen wie:
Was wiederholt sich bei mir?
Was berührt mich daran so stark?
Wie gehe ich in solchen Situationen mit mir selbst um?
Was könnte ich daraus lernen oder heute anders machen?
Wenn du so etwas bisher kaum gemacht hast, kommt am Anfang oft gar keine innere Antwort. Sich selbst still zuzuhören, braucht etwas Übung. Mit der Zeit kann sich ein Gedanke, ein Bild, eine Erinnerung oder ein Gefühl zeigen, dem du weiter nachgehen kannst.
Das kenne ich auch aus meinem eigenen Leben. Manche Zeiten habe ich erst im Rückblick anders verstanden. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, war ich lange in einem Umfeld, das mir immer weniger gutgetan hat.
Damals habe ich vor allem die Belastung gesehen. Erst später wurde mir klar, dass diese Zeit mich gezwungen hat, genauer hinzuschauen: Wie will ich eigentlich leben? Was passt noch zu mir? Wo habe ich mich selbst zu lange übergangen?
Im Nachhinein war für mich deshalb weniger die Frage wichtig, warum mir das passiert ist. Entscheidend war, was ich daraus über mich gelernt habe und welche Entscheidungen daraus entstanden sind.
Deshalb ist für mich bei karmischen Themen eine Frage besonders hilfreich: Was kann ich aus dem, was ich gerade erlebe, für mein heutiges Leben mitnehmen?
Was heute zählt
Am Ende wird für mich eine andere Frage wichtiger als die nach dem genauen Ursprung: Was machst du mit dem, was du heute über dich und dein Leben erkennst?
Du kannst eine Geschichte aus einem früheren Leben für möglich halten und trotzdem heute neu entscheiden. Du kannst anerkennen, dass sich etwas sehr alt anfühlt, und gleichzeitig schauen, wie du heute mit dir selbst umgehst.
Für mich liegt darin der eigentliche Wert solcher Deutungen. Sie können helfen, einen Zusammenhang zu sehen, der vorher nicht erkennbar war. Aber sie sollen dein Leben nicht auf eine alte Schuld festlegen.
Genau an diesem Punkt kann aus der Frage „Was habe ich getan?“ langsam eine andere werden:
„Wie möchte ich heute mit mir und meinem Leben umgehen?“




