Hast du dich jemals gefragt, warum du immer wieder in die gleichen Muster fällst? Warum du dich in Beziehungen unsicher fühlst, warum du dich ständig anpasst oder warum du das Gefühl hast, dass etwas dich zurückhält?
Die Antwort liegt oft in deiner Kindheit. Glaubenssätze, die du damals gelernt hast, wirken bis heute – ohne dass du es merkst.
Vielleicht kennst du Gedanken wie:
„Ich bin nicht gut genug."
„Ich muss es allen recht machen."
„Ich darf keine Fehler machen."
„Glück ist nichts für mich."
Diese Überzeugungen bestimmen, wie du denkst, fühlst und handelst. Sie beeinflussen deine Beziehungen, dein Selbstwertgefühl, deine Entscheidungen.
In diesem Artikel zeige ich dir 13 echte Geschichten aus meiner Arbeit. Geschichten von Menschen, die sich lange selbst nicht verstanden haben – bis sie erkannten, welche inneren Sätze sie seit der Kindheit mit sich tragen.
Du wirst dich in einigen wiedererkennen. Und das ist gut. Wiedererkennung bringt oft zum ersten Mal Ordnung in das, was sich lange diffus angefühlt hat.
13 echte Geschichten – Wie Glaubenssätze aus der Kindheit wirken
Die folgenden Geschichten sind keine Diagnosen und keine Beispiele dafür, was „richtig“ oder „falsch“ ist. Sie zeigen, wie unterschiedlich Glaubenssätze aus der Kindheit entstehen können – oft leise, oft unbemerkt.
Vielleicht erkennst du dich in einer Geschichte wieder, vielleicht in mehreren.
Es geht nicht darum, alles zu verstehen. Sondern darum, dich wiederzufinden.
Geschichte 1: Das Kuckuckskind
Eine meiner Klientinnen litt unter extremem Selbstzweifel. Sie hatte Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, zog sich oft zurück und fühlte sich „fehl am Platz".
In unserer Arbeit stellte sich heraus: Sie wusste nie sicher, wer ihr Vater war.
Es gab zwei mögliche Väter, doch ihre Mutter sprach nie darüber. Schon als Kind fühlte sie sich „falsch", als würde sie nicht dazugehören.
Ihr innerer Satz: „Ich bin nicht richtig. Ich gehöre nirgendwo wirklich hin."
Heute zeigt sich das in Beziehungen, im Job, im Selbstbild. Sie fragt sich ständig: „Bin ich hier richtig? Werde ich akzeptiert?"
Geschichte 2: Das Kind im Schrank
Eine Klientin hatte massive Verlustängste. Sie bekam Panik, wenn sie allein zu Hause war – besonders, wenn ihr Mann unten in der Werkstatt war.
Im Verlauf unserer Gespräche wurde sichtbar: Als Kind wurde sie zur Strafe in den Schrank gesperrt.
Für sie war das damals „normal". Doch ihr Unterbewusstsein hatte die Erfahrung anders abgespeichert.
Ihr innerer Satz: „Wenn ich Fehler mache, werde ich ausgeschlossen."
Heute hat sie Panik, wenn Menschen, die sie liebt, außer Reichweite sind.
hr Unterbewusstsein glaubt immer noch, dass sie allein gelassen werden könnte, wenn sie „nicht perfekt" ist.
Geschichte 3: Das Adoptivkind
Eine Kundin wurde als Baby ausgesetzt. Sie wurde zwar in eine gute Familie adoptiert – doch das Gefühl, nicht gewollt zu sein, blieb tief in ihr verankert.
In ihrer Kindheit fühlte sie sich immer wie das „schwarze Schaf", besonders als ihre Adoptiveltern dann ein eigenes Kind bekamen.
Ihr innerer Satz: „Ich bin nicht so viel wert wie andere. Ich muss mir Liebe verdienen."
Heute zeigt sich das in starker Verlustangst: Sie bleibt in Beziehungen, die ihr nicht guttun – aus Angst, wieder verlassen zu werden.
Geschichte 4: Die älteste Schwester
Eine Klientin hatte extreme Prüfungsangst. Jedes Mal, wenn sie vor einer Herausforderung stand, fühlte sie sich wie gelähmt.
Im Verlauf unserer Gespräche stellte sich heraus: Sie war die älteste Schwester in einer Familie mit überforderten Eltern.
Schon als Kind hatte sie die Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernommen.
Ihr innerer Satz: „Ich muss perfekt sein, sonst leidet jemand darunter."
Heute zeigt sich dieser Glaubenssatz in starker Selbstkritik und Versagensangst. Jeder Fehler fühlt sich an wie ein Weltuntergang.
Geschichte 5: Die Frau, die sich ihren Erfolg selbst zerstörte
Eine meiner Klientinnen war hochintelligent, talentiert und kreativ – doch jedes Mal, wenn sie beruflich erfolgreich war, machte sie unbewusst etwas, um sich selbst zu sabotieren.
Der Ursprung? Ihre Mutter war depressiv. Als Kind hatte sie gelernt, dass sie sich nicht freuen durfte, weil es ihrer Mutter schlecht ging. Jedes Mal, wenn sie fröhlich war, wurde sie abgewiesen.
Ihr innerer Satz: „Wenn es mir zu gut geht, dann werde ich abgelehnt."
Heute hat sie große Angst davor, ihr volles Potenzial zu entfalten – weil sie tief im Inneren glaubt, dass es gefährlich ist.
Geschichte 6: Das Kind mit Waschzwang
Ein achtjähriges Kind entwickelte in einer Phase großer äußerer Unsicherheit einen extremen Waschzwang. Es wusch sich so oft die Hände, dass die Haut riss.
Als wir tiefer gruben, wurde klar: Es kam aus einer Patchwork-Familie und hatte sich schon vorher oft fehl am Platz gefühlt. Diese Phase brachte noch mehr Unsicherheit – und plötzlich hatte es das Gefühl, dass alles außer Kontrolle war.
Sein innerer Satz: „Ich kann nichts beeinflussen – außer meine Hygiene."
Heute zeigt sich das in Perfektionismus und dem Gefühl, immer alles unter Kontrolle haben zu müssen.
Geschichte 7: Das Kind, das zu viel hörte
Eine Klientin wuchs in einer Familie auf, in der viel gestritten wurde. Sie hörte oft, wie ihre Eltern sich gegenseitig beschuldigten – und sie bekam mit, dass sie „schuld" war, weil sie „so anstrengend" war.
Ihr innerer Satz: „Ich bin schuld, wenn andere leiden."
Heute fühlt sie sich für die Gefühle anderer verantwortlich. Sie kann keine Grenzen setzen, weil sie glaubt, dass sie anderen wehtut, wenn sie „Nein" sagt.
Geschichte 8: Der Junge mit der Todesangst
Ein Junge entwickelte mit acht Jahren eine extreme Todesangst. Schon kleinste Berührungen seines Brustkorbs lösten Panikattacken aus – er war überzeugt, dass er sterben würde.
Mit zwei Jahren war er im selben Raum, als sein Opa plötzlich und unerwartet an einem Herzinfarkt starb. Sein kindliches Gehirn konnte das Erlebte nicht rational verarbeiten, aber es speicherte eine unbewusste Schlussfolgerung ab.
Sein innerer Satz: „Tod passiert plötzlich – und ich kann nichts dagegen tun. Ich bin in Gefahr."
Heute zeigt sich das in Panikattacken bei jeder Berührung der Brust und ständigem Gefühl, dass ihm „etwas passieren" könnte.
Geschichte 9: Die Angst vor Trennung
Ein Mädchen litt unter starken Albträumen: Immer wieder träumte sie von Einbrechern, die ihre Eltern bedrohten – und sie konnte nichts tun. Sie lag wie gelähmt im Bett und verspürte panische Angst, ihre Eltern nicht schützen zu können.
Schon bei der Geburt wurde sie von ihrer Mutter getrennt, weil diese schwer krank war. Statt den natürlichen Hautkontakt und die Sicherheit der Mutter zu erfahren, lag sie isoliert im Krankenhaus.
Ihr innerer Satz:„Ich bin allein – wenn ich nicht aufpasse, verliere ich meine Liebsten."
Heute zeigt sich das in extremer Verlustangst und einem überhöhten Verantwortungsgefühl – das Gefühl, immer für die Sicherheit der Familie sorgen zu müssen.
Geschichte 10: Das Kind als Erwachsene
Eine Klientin übernahm schon als Kind die Rolle der Erwachsenen. Ihre Mutter war emotional instabil, ihr Vater kaum präsent. Bereits mit 10 Jahren kümmerte sie sich um ihre jüngeren Geschwister, übernahm Haushaltsaufgaben und sorgte dafür, dass alles funktionierte.
Ihr innerer Satz: „Ich darf keine Schwäche zeigen – wenn ich nicht stark bin, bricht alles zusammen."
Heute fühlt sie sich auch als Erwachsene für alles verantwortlich – sei es im Job, in der Partnerschaft oder im Freundeskreis. Sie kann keine Hilfe annehmen und ist dauerhaft erschöpft.
Geschichte 11: Das Messie-Syndrom
Eine Frau konnte nichts wegwerfen. Ihre Wohnung war voll mit Dingen, die sie nicht brauchte – doch jedes Mal, wenn sie etwas loswerden wollte, bekam sie Panik.
Als Kind verlor sie ihre Mutter früh. Sie hatte keine Möglichkeit, Abschied zu nehmen – und dieses Gefühl von „plötzlich ist alles weg" blieb tief in ihr verankert.
Ihr innerer Satz: „Wenn ich loslasse, verliere ich Menschen."
Heute klammert sie sich an Gegenstände, als könne sie dadurch Verluste verhindern. Ihr Unterbewusstsein verbindet „Loslassen" mit Schmerz und endgültigem Verlust.
Geschichte 12: Die Tochter mit den Schuldgefühlen
Eine Frau wuchs als ältestes Kind von sechs Geschwistern auf. Ihre Mutter verließ die Familie früh, und ihr Vater war mit der Situation völlig überfordert. Sie übernahm schon als Kind die Elternrolle – und bekam vom Vater regelmäßig die Schuld für alles, was nicht funktionierte.
Ihr Vater ließ immer wieder verletzende Sätze fallen: „Du bist nur das geworden, weil ich da bin – du wärst nichts ohne mich!"
Ihr innerer Satz: „Ich bin verantwortlich für das Glück anderer – und wenn etwas schiefgeht, bin ich schuld."
Heute zeigt sich das in permanenten Schuldgefühlen – auch für Dinge, die gar nicht in ihrer Kontrolle lagen. Sie opfert sich für ihre eigenen Kinder auf, weil sie unbewusst verhindern will, dass sie „nicht genug" für sie da ist.
Geschichte 13: Die älteste Schwester und das Gefühl der Ungerechtigkeit
Eine Frau hatte ihr Leben lang das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden – sei es von Lehrern, Kollegen oder Vorgesetzten. Immer wieder erlebte sie Situationen, in denen andere bevorzugt wurden, und sie hatte das Gefühl, sich ständig beweisen zu müssen.
Als sie etwa zwei Jahre alt war, bekam sie eine kleine Schwester. Von diesem Moment an fühlte sie sich nicht mehr an erster Stelle. Sie nahm unbewusst wahr, dass die Kleine mehr Aufmerksamkeit bekam, während von ihr als „großer Schwester" mehr Verantwortung erwartet wurde.
Ein prägendes Erlebnis: „Ich musste bis zur 10. Klasse auf meine erste Umhängetasche warten – meine Schwester bekam dieselbe Tasche mit 8. Das war so unfair!"
Ihr innerer Satz: „Ich muss um meine Anerkennung kämpfen – andere bekommen sie einfach so."
Heute zeigt sich das in starker Sensibilität für Ungerechtigkeit – selbst in alltäglichen Situationen. Sie hat Schwierigkeiten, sich in sozialen Strukturen einzufügen, da sie oft glaubt, benachteiligt zu werden.
Wenn du verstehen möchtest, warum solche inneren Sätze entstehen und warum sie sich so hartnäckig halten, findest du hier eine vertiefende Einordnung:
>> Glaubenssätze: Der wahre Grund, warum du dich selbst sabotierst
Fazit: Du bist nicht falsch – du hast nur gelernt, was du damals lernen musstest
Vielleicht hast du dich in einigen Geschichten wiedererkannt. Vielleicht gab es Momente, in denen du gedacht hast: „Genau so fühlt es sich an."
Das ist gut. Denn Wiedererkennung ist der erste Schritt.
Du bist nicht falsch. Du hast nur gelernt, was du damals lernen musstest. Diese inneren Sätze haben dir geholfen, in deiner Kindheit zu überleben.
Aber heute darfst du erkennen, dass sie nicht mehr die Wahrheit sind.
Du darfst verstehen, dass diese Muster nicht bedeuten, dass du schwach bist. Sie bedeuten, dass du dich lange angepasst hast – und dass du dich selbst heute vielleicht zum ersten Mal erkennst.
Wenn du dich hier wiedererkennst
Wenn du spürst, dass alte Glaubenssätze aus der Kindheit dein Leben bis heute prägen, kann der Selbstwertgefühl-Test dir helfen, ruhig einzuordnen, wo du gerade stehst – ohne Bewertung, ohne Druck.
Von Herzen,
Andrea
Mentorin für feinfühlige Menschen
Häufig gestellte Fragen zu Glaubenssätzen aus der Kindheit
Woher weiß ich, welche Glaubenssätze ich habe?
Oft erkennst du Glaubenssätze an wiederkehrenden Gedanken in schwierigen Situationen.
Sätze wie „Ich bin nicht gut genug“, „Ich darf keine Fehler machen“ oder „Ich muss es allen recht machen“ tauchen nicht zufällig auf. Sie sind häufig alte innere Regeln, die du früh übernommen hast.
Kann ich Glaubenssätze aus der Kindheit überhaupt verändern?
Ja. Glaubenssätze sind keine Naturgesetze. Es sind erlernte Überzeugungen. Veränderung beginnt oft damit, dass du sie wiedererkennst und verstehst, warum sie damals entstanden sind.
Warum fühlen sich Glaubenssätze so wahr an?
Weil sie über viele Jahre immer wieder bestätigt wurden – innerlich und im Außen. Dein Unterbewusstsein sucht automatisch nach Hinweisen, die zu deiner Überzeugung passen, und übersieht dabei oft das, was nicht dazu passt. Deshalb wirkt ein Glaubenssatz wie „Wahrheit“, obwohl es eigentlich ein altes Muster ist.
Veröffentlicht am: 28.03.2025 | Zuletzt aktualisiert am: 05.02.2026



