Andrea Stoye - Mentorin für feinfühlige Menschen & Expertin für innere Muster und energetische Klarheit

Wann ist Pause für mich erlaubt?

Dieser Artikel entstand aus der Blogparade „Wann ist Pause für dich erlaubt?“ von Christina Reinisch. Die Frage begleitet mich schon lange. Ich wusste sofort, wie viele Pausen ich geplant und später wieder gestrichen hatte.

Ich plante Pausen und strich sie wieder

Beim Planen war ich schon immer sehr genau, fast perfektionistisch. Erst auf Papier, später im Onlinekalender, ich konnte Stunden damit verbringen, Listen zu schreiben. Zuerst alles zusammentragen, was an Aufgaben anstand, täglich, wöchentlich, monatlich. Dann alles wieder auseinandersortieren und einen Tagesablauf daraus bauen. Dahinter stand ein Gedanke, den ich lange nicht infrage gestellt habe: Wenn ich mir das nicht so genau aufschreibe, verzettele ich mich und mache am Ende das Fehler.

Pausen waren in diesen perfekten Plänen immer mit drin, in verschiedenen Varianten. Eine Zeit lang stand im Kalender: Pause zwischen sieben und halb acht. Ich erinnere mich an einen Sommer, ich glaube 2018, sehr heiß, in dem das richtig gut funktioniert hat. Ich bin morgens um sieben, halb acht rausgegangen, und ich fand diese frühen Sommerstunden einfach schön. Mein Körper hat sich das gemerkt, dieses Gut-tut-Gefühl.

Aber solche Phasen waren immer kurz. Meine eigentliche Bedingung für Pause hieß: Erst wenn alles andere erledigt ist. Und in der Selbstständigkeit ist fast nie alles erledigt.

Was dabei wirklich passierte, war nicht, dass einfach der Arbeitstag begann und die Pause verdrängte. Ich schrieb einen Plan, machte mir Gedanken, wie ich mich besser organisieren will, und dann kam ein Gedanke wie: Ich muss jetzt diese Artikelserie fertig machen. Oder: Ich muss die Webseite jetzt einmal richtig fertigstellen, damit ich nicht ständig wieder daran arbeite. Nur dauerte dieses „einmal fertig machen” dann eben ein, zwei, drei Monate. Für Freundinnen oder meinen Mann fand ich trotzdem fast immer Zeit. Sobald es allein um mich ging, fiel das Streichen dagegen leicht.

Warum alles andere zuerst kam

Ich bin als Schlüsselkind aufgewachsen. Meine Eltern arbeiteten viel, wir Kinder organisierten uns früh selbst und kamen mit vielem allein zurecht.

Dabei entstand eine innere Gleichung: Leistung bedeutet Anerkennung. Wer arbeitet, Aufgaben erledigt und funktioniert, macht es richtig. Ruhe war erst dran, wenn alles andere geschafft war. Diese Logik begleitete mich durch die Lehre und durch fast 28 Jahre im selben Unternehmen, davon rund 16 Jahre als Regionalleiterin. Eine Sandwichposition: von oben kommt Druck, von unten kommen Aufgaben, man ist es gewohnt, ständig zu funktionieren.

Als der Job endete, ging das Funktionieren weiter

Bevor mein Job endete, war ich schon einige Zeit krankgeschrieben, psychisch und seelisch erschöpft. Im Januar kam die Kündigung. Im Februar endete mein Job. Gleichzeitig war da die Angst, finanziell abzustürzen und keinen vergleichbar gut bezahlten Job mehr zu finden.

Als der äußere Druck wegfiel, hätte eigentlich die Genesung beginnen können. In meinem Kopf lief der alte Job trotzdem weiter. Ich fuhr weiter zu den alten Filialen, hielt Kontakt, wollte richtigstellen können, was über mich geredet wurde. Erst der Lockdown im März 2020 stoppte mich wirklich. Dieser Stillstand kam von außen, ich hätte ihn selbst nicht so frühzeitig gewählt.

Einige Wochen später begann ich, fast jeden Tag rauszugehen. Ich erinnere mich vor allem an die ersten warmen Tage, an denen ich regelmäßig eine halbe Stunde durch den Wald oder über die Wiesen gegangen bin. Manche Tage waren schwer, graue Wolken im Kopf, keine Lust. Was mich trotzdem raustrieb, war nicht in erster Linie Selbstfürsorge. Es war die Angst, dass ich nicht mehr selbstständig und selbstbestimmt sein könnte. Das war für mich der größere Horror. Aus dieser Zeit ist mein Weg in die Selbstständigkeit gewachsen.

Was mich die Bedingung eigentlich kostet

Heute habe ich keinen Chef mehr, der Druck macht. Ich könnte tatsächlich frei entscheiden: heute einen Ausflug, morgen arbeiten, übermorgen auf der Couch liegen. Genau diese Freiheit war ja der Grund, warum ich mich selbstständig gemacht habe.

Und trotzdem gehe ich morgens zwischen acht und neun ins Büro und komme abends nicht vor achtzehn Uhr wieder raus. Dazwischen eine Mittagspause, mal ein Kaffee, nachmittags zwei kurze Pausen à eine dreiviertel Stunde. Ansonsten ordnet sich fast alles der Arbeit unter, auch Aufgaben, die eigentlich gar nicht gemacht werden müssten, vielleicht nur, um weiter am PC sitzen zu können. Das ist der Teil, der mir am meisten wehtut. Nicht in erster Linie, was mein Rücken oder mein Magen irgendwann davon merken, das kommt ohnehin erst, wenn ich es schon eine Weile übertrieben habe. Es ist die Lebenszeit selbst, die ich damit vergebe. Ich habe mir eine Selbstständigkeit aufgebaut, die mir diese Freiheit erlauben würde, und lebe sie trotzdem kaum. Selbst wenn äußerlich Zeit da ist, läuft die innere Unruhe manchmal einfach weiter.

Arbeitsplatz mit Laptop neben einem Sessel als Bild für Pause im Alltag

Was sich gerade verändert

Vor einigen Wochen wurde mir bei einem Spaziergang klar, wie stark die Angst, nicht ernst genommen zu werden, mein Leben geprägt hat. Sie zeigt sich in dem Wunsch, alles besonders gut zu machen, mich zu erklären, zuverlässig zu funktionieren und wenig Angriffsfläche zu bieten. Für mein Thema mit den Pausen war daran vor allem eines wichtig: Ich verstand plötzlich besser, warum ich mich selbst so leicht nach hinten schiebe. Beim Thema Pause hilft mir vor allem, diesen einen Gedanken heute schneller zu erkennen: „Diese Woche ziehe ich noch durch.” Früher klang das für mich vernünftig. Heute weiß ich, dass sich darin mein altes Muster meldet.

Seitdem schaue ich anders auf meine Pausen. Ich gehe morgens wieder häufiger raus, laufe eine halbe Stunde durch den Wald oder über die Wiesen. Und wenn es klappt, bin ich selbst überrascht, wie glücklich mich das macht, der Wind, die Bäume, sogar die kleinen Blumen am Wegrand. Der Unterschied liegt für mich in der Reihenfolge. Ich warte nicht mehr jedes Mal, bis alles andere erledigt ist. Was mir guttut, bekommt inzwischen eher einen Platz, auch wenn im Büro noch etwas offen ist.

Das gelingt mir nicht an jedem Tag. Aber ich merke, wie viel Gelassenheit und Lebenszeit dabei zurückkommt, wenn ich es öfter schaffe.

Wann ist Pause für mich erlaubt?

Lange lautete meine Antwort: Erst dann, wenn alles erledigt war. Heute übe ich, mir Pausen auch dann zu erlauben, wenn etwas offenbleibt.

Eine Pause beginnt für mich dort, wo ich für einen Moment nichts erledigen, verbessern oder erreichen muss. Diese Zeit braucht keinen Zweck, auch wenn mein Kopf manchmal noch nach einem sucht.

Und du? Welche Bedingung müsste bei dir erst erfüllt sein, bevor du dir eine Pause erlaubst? Und was würde sich verändern, wenn diese Bedingung einmal nicht gelten müsste?

Leichter Vorhang im warmen Abendlicht, sanft vom Fenster bewegt

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Andrea Stoye

Ich begleite feinfühlige Menschen, die ihre Reaktionen, Gefühle und Erschöpfung tiefer verstehen möchten.

Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen innere Muster: frühe Prägungen, familiäre Dynamiken und Überzeugungen, die im Alltag als Trigger, Schuldgefühle, Selbstzweifel oder Energieverlust sichtbar werden.

Meine Inhalte verbinden psychologisches Verstehen mit bodenständiger Spiritualität. Ruhig, klar und alltagstauglich.

Andrea Stoye ist Mentorin für feinfühlige Menschen und Expertin für innere Muster und energetische Klarheit.

Hinweis: Meine Inhalte ersetzen keine Therapie oder medizinische Behandlung. Sie dienen der Selbstreflexion und inneren Klärung.

  • Liebe Andrea,
    gleich dein erster Satz ist bei mir hängen geblieben:
    „Ich wusste sofort wie viele Pause ich geplant und später wieder gestrichen hatte.“



    Das kommt mir so bekannt vor.
    Wir wissen, dass Pause wichtig ist und doch sind wir hier nicht konsequent. Oder wir wollen uns an dieser Stelle nicht glauben, was wir längst wissen.

    

Und DANKE, dass du hier so klar formulierst: „Dabei entstand eine innere Gleichung: Leistung bedeutet Anerkennung!“

    Damit wird Pause ja praktisch unmöglich.

    Ich freue mich sehr über deine persönlichen Einblicke und Antworten als Beitrag zu meiner Blogparade. Hier, wo ganz unterschiedliche Perspektiven und doch so viele Gemeinsamkeiten aufeinander treffen, wird es wunderbar spannend.

    Herzlichen Dank und viele liebe Grüße
    Christina

    • Liebe Christina,

      vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Beim Schreiben ist mir selbst noch einmal aufgefallen, wie wichtig Pausen für mich sind und wie schnell ich sie im Alltag trotzdem wieder nach hinten rutschen lasse.

      Umso schöner fand ich deinen Anstoß, das einmal wirklich aufzuschreiben und mich bewusster damit zu befassen.

      Liebe Grüße
      Andrea

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    Gelassenheit bringt Lebenszeit

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