Andrea Stoye - Mentorin für feinfühlige Menschen & Expertin für innere Muster und energetische Klarheit

Ich dachte, ich müsste erst jemand werden

Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade „Welche Geschichte über dich selbst hast du losgelassen?" von Peggy Bendler.

Es gibt Sätze, die du nie laut ausgesprochen hast. Die einfach irgendwann da waren.

Einer davon lautete bei mir: Ich bin nicht schlau genug.

Nicht als Gedanke, den ich bewusst gedacht hätte. Eher als leises Hintergrundrauschen, das meine Entscheidungen begleitete. Als Überzeugung, die ich nie geprüft hatte, weil sie sich so selbstverständlich anfühlte wie eine Tatsache.

Ich war das jüngste Kind. Meine Schwester lernte gern, war in der Schule gut und wurde dafür gelobt. Ich war lieber draußen, neugierig und praktisch. Als Kind konnte ich diese Unterschiede noch nicht einordnen. Ich nahm nur mit, dass andere offenbar etwas besser konnten als ich.

Solche Eindrücke entstehen in Geschwisterrollen oft ganz nebenbei. Nicht durch einen einzelnen Moment, sondern durch das, was ein Kind still für sich daraus macht.

Dieser Eindruck verschwand nicht einfach. Er begleitete mich weiter, auch wenn ich ihn lange nicht erkannte.

Eine Tür öffnete die nächste

Als ich Anfang 2020 meinen Job als Regionalleiterin aufgab, wusste ich nur: Ich wollte etwas finden, das wirklich zu mir passt. Kein Hamsterrad mehr, keine Verantwortung für 60 Standorte und keine Anrufe am späten Abend.

Ich machte eine Mentaltrainer-Ausbildung, baute meine Webseite auf, begann zu bloggen und absolvierte später die Ausbildung zur spirituellen Heilerin. Jedes neue Wissen gab mir für eine Weile das Gefühl, meinem eigentlichen Platz näherzukommen.

Jedes Mal dachte ich: Jetzt habe ich das fehlende Puzzleteil gefunden. Doch nach einer Weile begann die Suche wieder. Dann schien die Webseite noch nicht richtig, mein Thema noch nicht klar genug oder eine weitere Ausbildung genau das zu sein, was mir noch fehlte.

Lange hielt ich das für Neugier und Entwicklung. Beides war es auch.

Erst viel später erkannte ich, dass darunter noch eine andere Geschichte lag.

Als ich mich mitten in meiner Reaktion erkannte

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit meinen eigenen Reaktionen und inneren Mustern. Dabei hatte ich schon vieles erkannt: den Gedanken, nicht schlau genug zu sein, den Drang, alles richtig machen zu wollen, meine Empfindlichkeit gegenüber Kritik und das Bedürfnis, mich ausführlich zu erklären.

Lange wirkten diese Reaktionen wie verschiedene Themen. Erst nach und nach begann ich zu verstehen, dass sie miteinander verbunden waren.

Während eines Urlaubs kam mir bei einem Spaziergang plötzlich ein Satz in den Sinn:

Die Angst, nicht ernst genommen zu werden.

Dieser Satz blieb bei mir. Ich wusste noch nicht, wie weit er reichte, doch ich spürte, dass er näher am Kern lag als vieles, was ich vorher erkannt hatte.

Kurz darauf hatte ich eine Sitzung mit einer Klientin, die fast 80 Jahre alt ist. Ein großer Teil ihres Lebens war von der Suche nach sich selbst geprägt. Nach der Frage, wer sie eigentlich ist und wo sie hingehört.

In unseren Gesprächen hatten wir bereits vieles aus ihrem Leben angeschaut und eingeordnet. Sie sagte mir häufig, wie dankbar sie dafür war, dass sie mit mir über alles sprechen konnte und wir gemeinsam Zusammenhänge fanden, die sie lange beschäftigt hatten.

Gleichzeitig brachte sie fast in jede Sitzung etwas Neues mit: einen YouTube-Kanal, ein Webinar oder eine Expertin, die sie entdeckt hatte. Sie erzählte begeistert davon, was dort gesagt wurde.

Solche Situationen kannte ich schon lange. Jemand erzählte mir später etwas als neue Erkenntnis, das ich selbst vorher ähnlich gesagt hatte. In mir kam dann schnell an: Warum zählt es erst, wenn es jemand anderes sagt?

Meist suchte ich den Grund zuerst bei mir. Hatte ich mich nicht klar genug ausgedrückt? War bei meinem Gegenüber etwas anderes angekommen, als ich gemeint hatte?

In dieser Sitzung erzählte sie erneut von einem Video zu einem Thema, das wir einige Zeit zuvor bereits ausführlich besprochen hatten. Ich merkte, wie Unruhe in mir hochkam. Ich wollte erklären, warum ich es anders sah und weshalb manches davon aus meiner Sicht nicht stimmte.

Während ich sprach, bemerkte ich meine eigene Reaktion.

Da war wieder dieses vertraute Gefühl. Doch diesmal hatte ich bereits einen Namen dafür:

Sie glaubt mir nicht. Wenn jemand anderes etwas sagt, zählt es mehr als das, was ich sage.

Ich wusste, dass sie das nie behauptet hatte. Ihre Begeisterung für andere Experten hatte lediglich eine alte Stelle in mir berührt.

Früher hätte ich weiterdiskutiert und mich später über mein Verhalten geärgert. Diesmal hielt ich inne. Ich sagte ihr offen, was gerade in mir geschah und dass ihre Worte bei mir ein altes Gefühl ausgelöst hatten.

Damit wurde das Muster zum ersten Mal lebendig sichtbar. Ich konnte beobachten, wie es mich in eine Reaktion ziehen wollte und ich konnte aussteigen, bevor es vollständig übernahm.

Das war für mich der eigentliche Unterschied.

Ich drückte die Reaktion nicht weg und machte mich später auch nicht dafür fertig. Ich sah, was gerade geschah, und nahm ernst, dass hinter meinem Ärger eine alte Angst lag.

Dadurch verlor das Muster in diesem Moment an Kraft.

Warum plötzlich so vieles zusammenpasste

Die Angst, nicht ernst genommen zu werden, war für mich kein weiteres einzelnes Muster. Sie verband viele Gedanken und Reaktionen, die ich vorher getrennt betrachtet hatte.

  • Der Gedanke, nicht schlau genug zu sein. 
  • Der Wunsch, möglichst keine Fehler zu machen.
  • Das viele Erklären. Meine Empfindlichkeit gegenüber Kritik.
  • Die Unruhe, wenn andere mehr Beachtung bekamen.
  • Und auch die Schwierigkeit, um Hilfe zu bitten, weil ich mich damit angreifbar fühlte.

Lange sah ich darin verschiedene Baustellen.

Das Bild vom Spinnennetz

Mit der Zeit entstand für mich ein anderes Bild. Ich stellte mir meine Reaktionen wie ein Spinnennetz vor. Außen liegen die Dinge, die im Alltag sichtbar werden: ein Gedanke, ein Gefühl, ein Konflikt, ein Verhalten. Folgt man den einzelnen Verbindungen weiter nach innen, führen mehrere davon möglicherweise zum selben Kern.

Bei mir lag dort die Angst, nicht ernst genommen zu werden.

Diese Angst zeigte sich jedoch nicht immer gleich. Manchmal erklärte ich zu viel. Manchmal wollte ich alles allein schaffen. Manchmal überarbeitete ich etwas immer wieder, weil es sich noch nicht gut genug anfühlte. Und manchmal hielt sie mich davon ab, den nächsten wirklichen Schritt zu gehen.

Auch meine Suche nach der richtigen Ausbildung, dem passenden Thema und der perfekten Webseite gehörte dazu. Für eine Weile fühlte sichjede neue Erkenntnis wie die Lösung an. Später begann die Suche erneut. Dann fehlte scheinbar wieder etwas, bevor ich mich wirklich zeigen, meiner Arbeit vertrauen oder mit ihr erfolgreich sein durfte.

Angst richtet einen Menschen nicht automatisch auf. Sie kann ihn genauso gut im Kreis führen. Sie findet immer neue Gründe, warum der richtige Moment noch nicht gekommen ist oder warum erst noch etwas verbessert werden muss.

Deshalb suchte ich lange nicht nur nach meiner Aufgabe. Ein Teil von mir versuchte auch, das Risiko zu vermeiden, sichtbar zu werden und möglicherweise wieder nicht ernst genommen zu werden.

Heute weiß ich: Ich wollte gar nicht erst jemand werden. Ich wollte mich sicher genug fühlen, um aufzuhören, meinen Wert ständig infrage zu stellen.

Was Loslassen heute für mich heißt

Ist diese Angst heute verschwunden? Nein.

Ich merke sie manchmal noch. Dann taucht der alte Impuls auf, mich ausführlich zu erklären, etwas noch einmal zu überarbeiten oder sofort zu reagieren.

Der Unterschied ist, dass ich heute erkenne, was gerade geschieht.

Ich kann wahrnehmen: Da ist sie wieder, die Angst, nicht ernst genommen zu werden. Sie ist noch da, aber sie ist viel kleiner geworden. Sie fühlt sich nicht mehr wie die Wahrheit über mich an. Eher wie eine vertraute Reaktion, die zu mir gehört, so wie Freude, Traurigkeit oder Unsicherheit auch.

Wenn ich sie bemerke, muss ich ihr nicht sofort folgen.

Ich kann kurz bei mir bleiben und entscheiden, wie ich reagieren möchte. Manchmal spreche ich aus, was gerade in mir passiert. Manchmal brauche ich einen Moment Ruhe. Und manchmal erkenne ich, dass die alte Angst mit der heutigen Situation kaum etwas zu tun hat.

Genau das fühlt sich für mich nach Loslassen an.

Die Angst ist nicht ausgelöscht. Sie hält mich nur nicht mehr in derselben Weise gefangen. Ich habe sie gesehen, verstanden und als einen Teil von mir angenommen. Dadurch hat sie ihren alten Platz verloren.

Je besser ich mich selbst kenne, desto leichter kann ich unterscheiden: Welche Reaktion passt wirklich zu diesem Moment? Und welche meldet sich nur, weil ein alter Strang in mir berührt wurde?

Manche Reaktionen brauchen Aufmerksamkeit. Andere dürfen kurz da sein, wahrgenommen werden und wieder gehen.

So habe ich nicht einfach ein Muster beseitigt. Ich habe ein weiteres Stück von mir verstanden und bin mir selbst nähergekommen.

Ich musste nicht erst jemand werden. Ich musste nur aufhören, diese alte Angst für die ganze Wahrheit über mich zu halten.

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Andrea Stoye

Ich begleite feinfühlige Menschen, die ihre Reaktionen, Gefühle und Erschöpfung tiefer verstehen möchten.

Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen innere Muster: frühe Prägungen, familiäre Dynamiken und Überzeugungen, die im Alltag als Trigger, Schuldgefühle, Selbstzweifel oder Energieverlust sichtbar werden.

Meine Inhalte verbinden psychologisches Verstehen mit bodenständiger Spiritualität. Ruhig, klar und alltagstauglich.

Andrea Stoye ist Mentorin für feinfühlige Menschen und Expertin für innere Muster und energetische Klarheit.

Hinweis: Meine Inhalte ersetzen keine Therapie oder medizinische Behandlung. Sie dienen der Selbstreflexion und inneren Klärung.

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Gelassenheit bringt Lebenszeit

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