Andrea Stoye - Mentorin für feinfühlige Menschen & Expertin für innere Muster und energetische Klarheit

Ich war stolz darauf, nicht feinfühlig zu sein

Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade „Der Schlüssel, der die richtige Tür öffnete“ von Dr. Hanna Steffen.

Lange war ich überzeugt, dass Feinfühligkeit etwas ist, das anderen das Leben schwer macht – mir aber nicht. Heute weiß ich, dass ich mich jahrelang selbst nicht richtig gesehen habe.

Als wir in der Mentaltrainer-Ausbildung einen Test machten, der zeigte, wie unterschiedlich Menschen ihre Umwelt wahrnehmen und darauf reagieren, war ich erleichtert. Ich war eindeutig ein visueller Wahrnehmungstyp. Alles, was mit Spüren und Gefühlen zu tun hatte, schien bei mir kaum ausgeprägt zu sein.

Ich dachte: Perfekt. Zum Glück gehöre ich nicht zu denen.

Die Menschen, die besonders stark über ihr Fühlen und Spüren wahrnahmen – in der Ausbildung wurden sie als „Kinästhetische“ bezeichnet – waren für mich die Emotionalen. Die Romantischen. Die, die bei traurigen Filmen weinten und sich bei Beerdigungen kaum halten konnten. 

Damals hielt ich Feinfühligkeit für etwas, das einem das Leben schwer macht.

Ich war die Kühle. Die Strukturierte. Die, die immer funktionierte. Über 16 Jahre arbeitete ich als Regionalleiterin und war für bis zu 60 Standorte und rund 200 Mitarbeitende verantwortlich. Ich war stolz auf meine Belastbarkeit.

Heute arbeite ich selbst mit einem Wahrnehmungstyp-Test, der Menschen hilft, ihren eigenen Wahrnehmungsweg besser einzuordnen. Weil ich selbst erlebt habe, wie entlastend es sein kann, das eigene Erleben besser zu verstehen. Rückblickend war das der Moment, in dem sich für mich die erste Tür öffnete. Ich wusste nur noch nicht, wohin sie mich führen würde.

Was ich damals nicht sah: Die Kinästhetischen mochten mich immer. Sie suchten meine Nähe, öffneten sich mir schnell, schlossen Freundschaften mit mir. Rückblickend wundert mich das überhaupt nicht mehr. Ich dachte damals, das läge daran, dass ich gut zuhören konnte.

Dass ich selbst jedes Mal bei romatischen Filmen, heimlich gegen die Tränen kämpfte, wusste damals niemand.

Die Schutzmauer

Ich hatte sie so lange gebaut, dass ich sie selbst nicht mehr sah.

Als Führungskraft in einem System, das zunehmend auf Kontrolle und Misstrauen setzte, hatte ich gelernt: Zeige keine Schwäche. Funktioniere. Gleiche aus. 

Heute weiß ich: Ich nahm viel mehr wahr, als mir damals bewusst war. Und ich versuchte, alles zu kompensieren.

Ich nannte das Stärke.

Dass es mich auszehrte, dass mein Körper irgendwann deutliche Signale sendete, das war die Quittung. Irgendwann gab es keine Führungsrolle mehr. Und ich begann, mich auf die Suche zu machen. Nach dem, was wirklich zu mir passt unf wer ich wirklich bin.

Der Moment, in dem die Mauer sichtbar wurde

In einem Ausbildungsmodul arbeitete ich zum ersten Mal intensiver mit meinem eigenen Erleben. Eine sehr hochsensible Teilnehmerin hörte mir zu und sagte dann ruhig: „Du hast keine Selbstliebe.“

Ich wies das sofort zurück.

Doch mein Unterbewusstsein hatte offenbar schon reagiert. Am Nachmittag setzten wir uns noch einmal zusammen, dieses Mal ganz bewusst mit meinem eigenen Thema. In diesem Gespräch brachen die ersten Steine meiner Schutzmauer heraus. Alte Wut kam an die Oberfläche. Und zum ersten Mal durfte ich überhaupt spüren.

Ich kam damit überhaupt nicht klar.

Viele denken, dass dann alles leichter wird. Bei mir wurde es erst schwieriger. Ich hatte mich geöffnet und wusste nicht, wie ich mit dieser Offenheit umgehen sollte. Scham und Schuld meldeten sich. Ich war nicht erleichtert. Ich war überfordert. Es brauchte weitere Seminare, weitere Gespräche, bis sich das setzte.

Was ich damals glaubte und was ich heute weiß

Ich dachte damals, Feinfühligkeit sei eine Schwäche. Heute weiß ich, dass sie eine meiner größten Stärken geworden ist.

Durch meinen starken visuellen Kanal sehe ich feinste Nuancen in Gestik und Mimik. Gepaart mit dem kinästhetischen Spüren ergibt das eine Tiefe der Wahrnehmung, die mir in der Arbeit mit Menschen hilft. Klientinnen und Klienten öffnen sich schnell. Ich nehme wahr, was sie noch nicht ausgesprochen haben. Das war als Führungskraft schon so – ich hatte es nur nie so benannt.

Aber Feinfühligkeit beantwortete noch nicht alle Fragen.

Warum reagierte ich auf Kritik so stark? Warum wollte ich es allen recht machen? Warum fiel es mir so schwer, Grenzen zu setzen? 

Erst als ich begann, mich mit frühen Erfahrungen und inneren Mustern zu beschäftigen, ergab mein eigenes Erleben wirklich Sinn. Ich verstand, dass meine Reaktionen keine Fehler waren, sondern Anpassungen, die ich als Kind gelernt hatte, um mich sicher zu fühlen.

Rückblickend war die Feinfühligkeit nicht plötzlich da. Sie war immer da. Verändert hat sich, dass ich irgendwann aufgehört habe, gegen sie anzukämpfen.

Von der Wahrnehmung zu den inneren Mustern

Das ist die Unterscheidung, die mir seitdem am wichtigsten geworden ist: Feinfühligkeit ist die Anlage. Die inneren Muster bestimmen, wie wir damit umgehen.

In den Jahren danach habe ich mir selbst und mit anderen immer wieder angeschaut, wo eigene Reaktionen eigentlich herkommen. Bei mir zeigte sich zum Beispiel, dass mein starkes Kontrollbedürfnis keine Charaktereigenschaft war, sondern eine sehr frühe Strategie, aus einer Kindheit, in der ich lernen musste, Stimmungen um mich herum genau zu beobachten, um mich sicher zu fühlen.

Das ist der Teil, der in meiner Arbeit heute den Unterschied macht. Wir bauen Schutzmauern. Wir passen uns an. Wir übergehen unsere Grenzen. Wir drücken uns die Tränen weg und nennen das Stärke.

Wenn sichtbar wird, welche alte Prägung dahintersteckt, verändert sich etwas. Die Feinfühligkeit muss dann nicht mehr hinter einer Mauer versteckt werden. Sie darf das sein, was sie ist: ein klarer, ruhiger Kompass.

Der eigentliche Schlüssel

Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, bin ich meiner Schutzmauer sogar dankbar.

Sie hat mir geholfen, viele Jahre zu funktionieren. Aber sie musste nicht für immer bleiben.

Der Moment, in dem ich sie erkennen durfte, hat die richtige Tür geöffnet.

Vielleicht hast du dich in meiner Geschichte wiedergefunden. Vielleicht glaubst du bis heute, dass mit dir etwas nicht stimmt. Vielleicht hast du einfach nur gelernt, sehr früh zu funktionieren.

Und vielleicht beginnt genau dort die richtige Tür.

Manchmal öffnet nicht neues Wissen die richtige Tür. Sondern die Erlaubnis, sich selbst anders zu sehen.

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Andrea Stoye

Ich begleite feinfühlige Menschen, die ihre Reaktionen, Gefühle und Erschöpfung tiefer verstehen möchten.

Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen innere Muster: frühe Prägungen, familiäre Dynamiken und Überzeugungen, die im Alltag als Trigger, Schuldgefühle, Selbstzweifel oder Energieverlust sichtbar werden.

Meine Inhalte verbinden psychologisches Verstehen mit bodenständiger Spiritualität. Ruhig, klar und alltagstauglich.

Andrea Stoye ist Mentorin für feinfühlige Menschen und Expertin für innere Muster und energetische Klarheit.

Hinweis: Meine Inhalte ersetzen keine Therapie oder medizinische Behandlung. Sie dienen der Selbstreflexion und inneren Klärung.

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Gelassenheit bringt Lebenszeit

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