Andrea Stoye - Mentorin für feinfühlige Menschen & Expertin für innere Muster und energetische Klarheit

Ich dachte lange, mein Job raubt mir Energie.

Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade „Energie statt Erschöpfung im Job" von Nathalie Stöcklin.

Manche Arbeitstage begannen, bevor ich überhaupt richtig in meinem eigenen Tag angekommen war.

Morgens meldete sich die erste Mitarbeiterin krank. Dann ging die Suche los: Wer konnte einspringen? Welche Filiale war ohnehin schon knapp besetzt? Ließ sich jemand aus einem anderen Standort versetzen, ohne dass dort das nächste Loch entstand?

Währenddessen prüfte ich die Personalzahlen und die Ergebnisse der einzelnen Filialen. Wenn die Verkaufszahlen nicht stimmten, musste ich herausfinden, woran es lag und welche Maßnahmen greifen sollten. Dazu gehörten Gespräche mit den Verantwortlichen vor Ort und Maßnahmenblätter – Dokumente, auf denen festgehalten wurde, was sich bis wann verändern sollte. Ich musste sie regelmäßig einfordern und nachverfolgen.

Einmal in der Woche kam die Telefonkonferenz mit meiner Vorgesetzten und den Kollegen dazu. Zahlen wurden besprochen, Vorgaben weitergegeben und Abweichungen erklärt. Danach fuhr ich in zwei oder drei Filiale, sprach mit den Mitarbeitenden, löste Probleme und versuchte, gleichzeitig den Menschen und den Erwartungen des Unternehmens gerecht zu werden.

Mein ursprünglich geplanter Tag existierte oft schon am Vormittag nicht mehr.

Am Abend blieb das Handy an, weil die Geschäfte bis 20 Uhr geöffnet waren. Wenn eine Alarmanlage auslöste, jemand ausfiel oder in einer Filiale etwas passiert war, war ich weiterhin zuständig. Und wenn schließlich Ruhe einkehrte, saß ich manchmal noch vor den Excel-Tabellen. Ich rechnete Personaleinsätze hin und her, damit Mitarbeitende ihre Stunden behalten konnten und nicht wieder auf Teilzeit gesetzt wurden.

Das war kein außergewöhnlicher Krisentag. Das war ein normaler Arbeitstag.

Nach außen: alles im Griff

Über 16 Jahre war ich Regionalleiterin und zeitweise für bis zu 60 Standorte und rund 200 Mitarbeitende verantwortlich. Ich konnte organisieren, schnell entscheiden und auch dann eine Lösung finden, wenn mehrere Probleme gleichzeitig auf meinem Tisch landeten. Nach außen wirkte ich belastbar, zuverlässig und souverän.

Innerlich kam ich immer seltener zur Ruhe.

Auch wenn das Telefon gerade nicht klingelte, lief der Arbeitstag in meinem Kopf weiter. Ich überlegte, was ich noch klären musste, wo die nächsten Zahlen nicht passen könnten und welche Entscheidung am folgenden Morgen schon wieder auf mich wartete. Es gab kaum einen Moment, in dem ich das Gefühl hatte: Jetzt ist wirklich alles erledigt.

Weil ich meine Arbeit lange gern gemacht hatte und wusste, dass ich sie grundsätzlich beherrschte, suchte ich trotzdem den Fehler zuerst bei mir. Ich dachte, ich müsste mich nur besser organisieren, weniger empfindlich reagieren und noch etwas belastbarer werden.

Heute weiß ich: Damit hatte ich den eigentlichen Grund meiner Erschöpfung noch gar nicht verstanden.

Was mich wirklich erschöpft hat

Das Unternehmen, für das ich arbeitete, war straff geführt. Personal war ein Kostenblock. Mitarbeitende waren Zahlen in einer Tabelle. Ich sollte kürzen, wenn zu viel da war und einstellen, wenn zu wenig da war. Immer im Widerspruch, immer unter Druck.

Ich wollte das nicht so machen. Ich habe nachts gedanklich mit meinem Chef diskutiert und die Zahlen so gerechnet, dass Menschen geschützt wurden. Ich habe versucht, Menschlichkeit in einem System zu leben, das dafür kaum Raum ließ.

Nicht die Arbeitsmenge hat mich erschöpft.

Es war der tägliche Widerspruch zwischen dem, wie ich mit Menschen umgehen wollte, und dem, was von mir erwartet wurde. Das ist ein Muster, das ich heute bei vielen Menschen erkenne, die zu viel Verantwortung übernehmenweil sie es nicht anders kennen.

Was der Körper irgendwann sagte

Irgendwann ließ sich nicht mehr übersehen, dass ich längst über meine Grenzen gegangen war.

Zuerst kamen die Knieschmerzen. Dann der Rücken, der Tinnitus und die Magenprobleme. Ich ging zu verschiedenen Ärzten, doch eine eindeutige körperliche Ursache fand sich nicht. Schließlich kamen die Panikattacken. An einem Wochenende folgte eine auf die nächste, gefühlt im Minutentakt.

Mein Körper war inzwischen ehrlicher als mein Kopf.

Und trotzdem wollte ich zurück

Ich musste mich krankschreiben lassen, weil es nicht mehr ging. Acht Wochen lang war ich zu Hause. Doch auch in dieser Zeit kam ich innerlich kaum zur Ruhe. Über allem stand die Frage, wie es beruflich weitergehen sollte.

Nach sechs Wochen kam meine Vorgesetzte zu mir nach Hause und holte den Firmenwagen ab. Das entsprach den Regeln des Unternehmens, fühlte sich für mich in dieser Situation dennoch wie ein weiteres Zeichen dafür an, dass mein bisheriges Leben ins Wanken geriet.

Nach acht Wochen erklärte ich, dass ich wieder arbeiten konnte und zurückkehren wollte.

Dieser Beruf war über viele Jahre mein vertrautes Leben gewesen. Er gab mir Sicherheit, war gut bezahlt und gehörte zu dem, was ich konnte. Gleichzeitig traute ich mir kaum zu, noch einmal eine vergleichbare Position zu finden. Zu viele alte Überzeugungen sagten mir, dass ich außerhalb dieser Arbeit nicht bestehen würde.

Freiheit war eigentlich immer einer meiner wichtigsten Werte. Frei entscheiden zu können, bedeutete mir sehr viel. In dieser Zeit überwog jedoch mein Bedürfnis nach Sicherheit. Ich wollte an dem festhalten, was ich kannte, obwohl mein Körper längst gezeigt hatte, dass es so nicht weitergehen konnte.

Als ich zurückkehren wollte, folgte ein Gespräch, das sich für mich kaum wie ein wirklicher Neuanfang anfühlte. Stattdessen standen plötzlich Vorwürfe im Raum. Ich wurde freigestellt. Weitere Gespräche und neue Anschuldigungen folgten, schließlich auch die Kündigung.

Damit war die Geschichte noch nicht beendet. Das Hin und Her bis zum geplanten Gerichtstermin kostete erneut viel Kraft. Noch vor der eigentlichen Verhandlung kam es zu einer Einigung, die für mich gut ausging.

Rückblickend sehe ich, wie sehr ich damals versucht hatte, meine bisherige Sicherheit festzuhalten. Ich wollte zurück in ein Leben, das mich längst erschöpft hatte, weil ich mir ein anderes noch nicht zutraute.

Heute lächle ich manchmal über diesen letzten Versuch, alles wieder an seinen alten Platz zu bringen.

Denn was sich damals wie der Verlust meiner Sicherheit anfühlte, wurde später der Anfang von etwas ganz anderem.

Was mir heute wirklich hilft

Lange dachte ich, ich müsste nur lernen, mit noch mehr Belastung zurechtzukommen. Besser planen. Ruhiger bleiben. Mich schneller erholen. Doch all das hätte den eigentlichen Konflikt nicht gelöst.

Heute weiß ich: Erschöpfung entsteht selten allein durch die Menge der Arbeit. Viel Kraft geht auch dort verloren, wo wir uns ständig übergehen, Verantwortung für alles übernehmen oder täglich gegen die eigenen Werte handeln.

Bei mir war es der Versuch, Menschlichkeit in einem System aufrechtzuerhalten, dessen Vorgaben immer weniger zu meiner Haltung passten. Dazu kam ein altes Sicherheitsmuster. Ich blieb, obwohl mein Körper längst reagierte, weil ich mir kaum vorstellen konnte, außerhalb dieses vertrauten Lebens wieder sicher zu sein.

Der wichtigste Schritt wäre für mich damals gewesen, früher stehen zu bleiben und genauer hinzuhören.

  • Was passiert gerade wirklich in mir?
  • Welche Angst hält mich fest?
  • Welchen Gedanken glaube ich immer wieder?
  • Und passt das, was ich täglich tue, noch zu meinen Werten?

Solche Fragen lösen eine schwierige berufliche Situation nicht sofort. Sie helfen jedoch dabei, wieder zu erkennen, was im eigenen Inneren geschieht. Genau dieser Kontakt zu mir selbst hatte mir damals gefehlt.

Auch heute arbeite ich viel. Ich kann mich stundenlang in ein Thema vertiefen und merke manchmal erst spät, dass eine Pause guttun würde.

Der Unterschied ist: Ich kann heute freier entscheiden. Ich richte meine Arbeit an meinen Werten aus, bestimme meinen Rhythmus selbst und erkenne meist früher, wenn ein altes Muster wieder übernehmen möchte.

Dabei helfen mir auch Dinge, die ich früher wahrscheinlich belächelt hätte: bewusstes Atmen, Visualisieren, die Aufmerksamkeit auf meinen Körper lenken und mich erden.

Erdung muss dabei nichts Geheimnisvolles sein. Manchmal reicht es, für einen Moment die Füße auf dem Boden zu spüren. Den Atem wahrzunehmen. Zu bemerken, wie sehr der Kopf gerade schon beim nächsten Problem ist.

In diesem kurzen Moment kann ich prüfen:

  • Gehört das gerade wirklich zu mir?
  • Ist das meine Verantwortung?
  • Reagiere ich auf die gegenwärtige Situation oder auf eine alte Angst?

Wenn ich meinen Körper wieder wahrnehme, wird das innere Geschehen ruhiger. Ich muss dann noch keine große Entscheidung treffen. Ich bin zunächst wieder bei mir. Und aus diesem Zustand heraus kann ich klarer erkennen, was ich brauche und welcher nächste Schritt zu mir passt.

Meine ehrlichste Antwort auf die Frage, was hilft, wenn der Berufsalltag auslaugt:

Warte nicht erst darauf, dass dein Körper immer lauter werden muss. Nimm ernst, was dich täglich Kraft kostet. Schau dabei auch auf die Gedanken, Ängste und alten Muster, die dich an einer Situation festhalten.

Manchmal braucht es eine Veränderung im Arbeitsalltag. Manchmal eine klare Grenze. Manchmal eine Pause. Und manchmal wird sichtbar, dass ein Weg schon länger nicht mehr zu dem Menschen passt, der du heute bist.

Was sich damals wie der Verlust meiner Sicherheit anfühlte, wurde für mich der Weg in ein selbstbestimmteres Leben. Heute kann ich meine Kraft für eine Arbeit einsetzen, die meinen Fähigkeiten, meinen Werten und meiner Haltung entspricht.

Das ist für mich Energie statt Erschöpfung: mich selbst wieder wahrnehmen und meine Entscheidungen von dort aus treffen. Ich hätte das damals nicht für möglich gehalten. Heute gehört es zu meinem Alltag.

Wenn gerade alles zu viel ist und du dich leer, überreizt oder innerlich unruhig fühlst.

Soforthilfe bei Erschöpfung

Diese Soforthilfe gibt dir 3 ruhige Schritte mit Atem, innerem Abstand und Erdung – direkt anwendbar, genau dort, wo du gerade bist.

Kostenloses PDF · 3 ruhige Schritte

Mockup des NALEA Impulses „Soforthilfe bei Erschöpfung“ mit 3 ruhigen Schritten für Atem, Abstand und Erdung.

Andrea Stoye

Ich begleite feinfühlige Menschen, die ihre Reaktionen, Gefühle und Erschöpfung tiefer verstehen möchten.

Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen innere Muster: frühe Prägungen, familiäre Dynamiken und Überzeugungen, die im Alltag als Trigger, Schuldgefühle, Selbstzweifel oder Energieverlust sichtbar werden.

Meine Inhalte verbinden psychologisches Verstehen mit bodenständiger Spiritualität. Ruhig, klar und alltagstauglich.

Andrea Stoye ist Mentorin für feinfühlige Menschen und Expertin für innere Muster und energetische Klarheit.

Hinweis: Meine Inhalte ersetzen keine Therapie oder medizinische Behandlung. Sie dienen der Selbstreflexion und inneren Klärung.

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Gelassenheit bringt Lebenszeit

>